09.2018, Baustoffmarkt

Fachmedium für Entscheider im Baustoff-Fachhandel


Steuerrecht: Risiken minimieren

Steuerliche Fehler werden immer strenger verfolgt. Schutz bietet ein innerbetriebliches Kontrollsystem, das die Einhaltung steuerücher Vorgaben überwacht, sagt Dr. Stephanie Thomas. Sie erklärt nachfolgend, warum sich auch Mittelständler mit der Thematik befassen sollten.

Gesetze, Urteile, Vorschriften: Stän­dig wechselnde Vorgaben machen es Firmen schwer, in Steuerangelegen­heiten auf dem Laufenden zu bleiben. Leicht schleichen sich Fehler ein, die steuerliche Auflagen verletzen. Mit ausgefeilten Prüfverfahren werden Fehltritte immer öfter entdeckt und zudem immer häufiger an die Straf- und Bußgeldstelle weitergeleitet. Der Grund: Betriebsprüfer machen sich selbst strafbar, wenn sie im Ver­dachtsfall nicht die Steuerfahndung einschalten. Schnell interpretieren Finanzämter Fehler als vorsätzliche Steuerhinterziehung. Die möglichen Folgen reichen von hohen Nachzah­lungen und Bußgeldern bis hin zu langwierigen Strafverfahren mit un­gewissem Ausgang.

Für Unternehmen steigt der Hand­lungsdruck. Immer mehr Firmen mi­nimieren die steuerlichen Risiken mithilfe eines Tax Compliance Ma­nagement Systems (Tax CMS). Dabei handelt es sich um eine Art Leitfa­den, der dazu dient, alle steuerrele­vanten Prozesse zu optimieren und zu überwachen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es passieren weniger Fehler, und die Arbeitseffizienz wird optimiert. Doch damit nicht genug. Ein Tax CMS schützt Entscheidungs­träger in vielen Fällen vor der persön­lichen Haftung. Denn das Manage­ment haftet persönlich für Fehler von Mitarbeitern. Laut einem Erlass des Bundesfinanzministeriums kann ein innerbetriebliches Kontrollsystem als Indiz dafür gelten, dass kein be­dingter Vorsatz für eine Steuerhin­terziehung vorliegt (Az. IV A 3 - S 0324/15/10001). Auch wenn ein Tax CMS nicht gesetzlich vargeschrieben ist, wird es auch für mittelständische Firmen zunehmend dringlicher, ein Kontrollsystem einzuführen. Für Mit­telständler ist daher nicht die Frage, ob ein Tax CMS Sinn macht, sondern in welchem Umfang.

Steuerliche Risiken lauern in vielen Bereichen und sind von Firma zu Firma unterschiedlich. Maßgeblich sind einerseits externe Rahmenbe­dingungen wie etwa Branchenzuge­hörigkeit oder der Aktionsradius im In- und Ausland. Andererseits spie­len interne Faktoren wie Unterneh­mensgröße und -Struktur ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Fehlerrisiko wächst, wenn die Aktivitäten mehre­rer Abteilungen und Zuständigkeiten ineinander greifen und zudem eine Vielzahl von Prozessen automatisiert abläuft. Besonders fehlerträchtig sind die Bereiche Umsatz- und Lohnsteu­er. Ein steuerliches Kontrollsystem kann hier einen Großteil der steuer­lichen Risiken minimieren. Schon mit begrenzten Maßnahmen kann man viel erreichen. Bei der konkreten Ausgestaltung eines internen Kant­rollsystems haben Unternehmen freie Hand, da der Fiskus hierzu keine Vor­gaben macht.

Wie gehen Firmen am besten vor? Grundlage ist immer eine einge­hende Analyse des Ist-Zustands mit dem steuerlichen Berater. Zunächst werden alle relevanten Abläufe und Zuständigkeiten beleuchtet und in einem Dokument erfasst. Dann erfolgt eine systematische Risikoanalyse, die alle steuerlichen Fallstricke identifi­ziert und gewichtet. Darauf aufbau­end werden Prozessabläufe entwi­ckelt und schriftlich niedergelegt, die mögliche steuerliche Gefahren erken­nen und ausräumen helfen. Ergebnis ist in der Regel ein Tax Compliance-Leitfaden, der alle Erkenntnisse und Maßnahmen zusammenfasst und kla­re Verhaltensregeln vorgibt.

Tax Compliance steht und fällt da­mit, wie es in der Praxis gelebt wird. Unternehmen sollten sicherstellen, dass betroffene Mitarbeiter das Kon­trollsystem kennen und alle Vor­sichtsmaßnahmen beherzigen. Hilf­reich sind regelmäßige Schulungen, die für steuerliche Risiken sensibi­lisieren und Handlungssicherheit vermitteln. Zudem sollten Firmen jährlich prüfen, ob ihr Tax CMS den aktuellen Anforderungen genügt, und gegebenenfalls nachjustieren. Ziel sollte neben optimierten Abläu­fen immer sein, dass Mitarbeiter im Finanz- und Rechnungswesen ein geschärftes Bewusstsein für steuerli­che Stolperfallen entwickeln und mit Weitblick agieren.

Quelle: Baustoffmarkt

Korrespondenz mit:

Dr. Stephanie Thomas

Dr. Stephanie Thomas

Managing director,
lawyer,
tax consultant,
specialist solicitor for tax law

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Tel.: 0049 2166 971-130
sthomas@wws-mg.de

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